Review zu “Bis aufs Blut” von den Wilden Jungs

Wer hier ein eher poprockiges Album á la „Multikriminell“ erwartet, wird enttäuscht sein.
Mit „Bis aufs Blut“ schlagen die Jungs aus Fulda einen härteren, zum Teil onkelzlastigeren Weg ein.
Dem Fan der Ersten Stunde sollte dieser „neue“ Stil jedoch nicht ganz unbekannt sein; erinnert er doch sehr an die Demosongs aus den Anfängen der Band.
Cover & Booklet:
Das Cover ist auf jeden Fall interessanter gestaltet, als beim letzten Album.
Es zeigt eine tote blutige Maus in einer Falle, die mit Geld geködert war. Ob eine tiefere Aussage hinter diesem Cover steckt, läßt sich allerdings nur vermuten.
Im Booklet finden sich wieder die Songtexte zu allen, auf dem Album enthaltenen, Songs, sowie Bilder der Band.
Die Erstauflage des Albums erschien in einer limitierten Auflage von 1000 Stück als Digipac mit Bonus Video.
Tracklist:
* Wilde Welt, der 1. Titel des neuen Albums, kommt mit den gewohnten, jedoch ausgereifteren „Wilde Jungs“-Tönen daher.
Textlich gesehen bietet Wilde Welt wenig Tiefgang, auch wenn dem Hörer sofort klar wird, worum es der Band in erster Linie geht. Dank des simplen Textes ein schöner Mitgröhl-Song.
* Vollgaspilot klingt beim ersten Anhören wie ein „Ich will Spaß, ich geb Gas“-Titel.
Durch das Tempo des Sounds wird der – übrigens durchaus zum Nachdenken anregende Text noch unterstrichen.
* Den moralischen Zeigefinger müßte man wohl bei Auf die Knie Marie auspacken.
Jedoch sollte man diesen Track eher mit einem Augenzwinkern abtun. Der Nachfolger zu „Böhse Mädchen“ stellt einfach einen weiteren Partysong auf der Scheibe dar.
* Preiset den Herrn, mit 6 Minuten der längste Titel auf der CD, beschäftigt sich mit der Heuchelei der Kirche.
Ein tiefsinniger, zum Nachdenken anregender Text mit aggressivem, dazu passendem Sound.
Der Song hat Suchtcharakter, erinnert jedoch von der gesamten Machart her an die Anfänge der Böhsen Onkelz.
* König Alkohol ist so etwas wie die erste Single-Auskopplung des neuen Albums.
Bereits Ende letzten Jahres als FC-Edition erschienen und von diversen Onlineradios gespielt, darf diese lockere Alk-Hymne mit seichtem, einprägsamen Refrain nicht fehlen.
* „So rennst Du Auf und davon … vor lauter Angst“.
Der schnell gespielte Titel beschreibt treffend, wie sehr man sich von seiner Angst kontrollieren lassen kann.
Im Ganzen hatte ich, beim vorherigen Lesen des Textes, vom Song allerdings etwas mehr erwartet. Nicht der schlechteste Titel des Albums, aber auch nicht der Beste.
* Bis aufs Blut – der Namensgeber des Albums – kommt mit schnellem, prügelndem Schlagzeug, harten Gitarrenrifs und durchdachtem Text daher.
Die Härte des Gesangs läßt vermuten, daß hier eine persönliche Abrechnung mit einem „Blutsbruder“ erfolgte.
* Frankfurter Jungs überzeugt einerseits mit seinem einfachen Text und dem offensichtlichen Mitgröhlfaktor.
Auch musikalisch paßt sich der Track gut in die Reihe der Fußballsongs ein.
Für eine Hymne fehlt dem Titel jedoch etwas ganz wesentliches: Die spürbare Liebe zum Verein.
* Trunkenbold – ein typisches Sauflied, das man wohl auf so ziemlich jeder Scheibe irgendwo finden dürfte.
Auch mit über 3 Promille läßt sich der Refrain noch problemlos mitlallen. Zur Not tut’s hier sicher aus musikalischer Sicht auch eine Akkustik-Gitarre.
* 120 Kilo Fleisch prügelt es mir aus meinen Boxen entgegen.
Das ist aber auch schon alles, was der Refrain des Titels auszusagen vermag. Provokation der Dicken ist wohl noch die harmloseste Beschreibung und wird auch durch die knallharten Drums nicht gerettet.
* Es wär mal wieder schön dürfte einigen bekannt vorkommen. Im Vergleich zum Original der „Jungen Römer“ klingt der Sound ein wenig lasch.
Gesanglich wird das aber durch die persönliche Note durchaus wieder wettgemacht.
Ein hörenswerter Partysong, der meines Erachtens nach, sogar besser klingt als das Original.
* Der letzte Tag – ein „alter“ Song, wie man unschwer auch am gesamten Stil erkennen kann.
Mein persönlicher Favorit des Albums beschäftigt sich textlich mit dem letzten Tag des Lebens und den Dingen, die einem wichtig sind.
Ein Track mit Gänsehautgarantie und melancholischen Tönen.
Fazit:
Insgesamt erhält man vom 2. Album der „Wilden Jungs“ – das in kompletter Eigenregie entstand – einen durchaus guten Gesamteindruck.
In Punkto Sound hat sich die Band nach vorne entwickelt und eine ordentliche Portion Power draufgepackt.
Gitarrenrifs und Schlagzeug sind wesentlich ausgeklügelter und komplexer, als man es aus der Vergangenheit kennt.
Textlich ergibt die gesamte Trackliste wieder eine bunte Mischung aus nachdenklichen Songs und Mitgröhl-Krachern. Ganz so, wie man es von der Band kennt.
Leider fehlen einem etwas die echten nachvollziehbaren Gefühlsfacetten, wie wir sie von Songs wie „Hass & Liebe“, „Danke Schlampe“ oder „Kein böser Ort“ kennen.
Mit der Änderung des Gesang-Stils hat sich die Band keinen großen Gefallen getan.
Der einstige Wiedererkennungswert des Frontmannes ist verschwunden. Zurück bleibt ein verwirrter Hörer, der nun oftmals raten muß, ob er gerade die „Wilden Jungs“ oder eine der anderen, ähnlich klingenden, Bands zu hören bekommt.
Veränderungen des Stils ziehen auch immer Veränderungen in der Hörerschaft nach sich und so werden sich auch die „Wilden Jungs“ von Fans verabschieden müssen, denen der natürliche, pure Gesang besser gefiel, als die rauhe, künstlich aggressive Stimme auf der zweiten Scheibe.
Bleibt zu hoffen, daß aus dem gewohnten und liebgewonnenen Gesangstil des ersten und dem knallharten Sound des zweiten Albums ein gesanglich und spielerisch perfektes 3. Album entstehen wird.
Dangermouse für AgF-Radio





















